Dienstag, 02 März 2010 00:00

Herstellungsverfahren von Denim / Jeans Stoff Featured

Written by  Petra Wörmann

Quizfrage auch von Rollstuhlfahrern zu beantworten:

Welches Kleidungsstück wird vom ständigen Tragen wirklich besser?! - Auf jeden Fall eine gute Jeans.

Nach jedem Tragen erhält sie ein wenig mehr Patina und wird ein Stückchen mehr zu einer zweiten Haut. (Über die Rest- Lebensdauer der heute so beliebten auf “uralt” getrimmten Stücke oder diese “hauchdünnen Teilchen”, wage ich allerdings keine lange Lebensdauer zu prognostizieren.) Prinzipiell hält eine gute Jeans aber schon ziemlich lange und steigt mit der Zeit sogar noch in ihrem Wert.

OK, dafür ist es auch ziemlich Aufwendig so ein edles Kleidungsstück herzustellen und das kostet jede Menge Energie. Aber, (und das gilt auch für Rollstuhlfahrer) mit so ein paar edlen Beinkleidern im Schrank, hat man als Durchschnittsbürger dann schon mal “unten rum” für eine Weile ausgesorgt und nicht nur zur Not, habe ich damit meinen Auftritt: bei der Arbeit, bei einer Hochzeit und natürlich auch noch bei jeder Art von Freizeitvergnügen.

 

Den wenigsten von uns eingefleischten Jeansträgern dürfte allerdings der komplette und komplizierte Herstellungsprozess unserer geliebten Beinkleider bekannt sein. Wenn man es, so wie ich, dann aber mal beruflich mit der Jeans zu tun bekommt, ist es natürlich auch angebracht, sich ausführlich damit auseinanderzusetzen.

Herstellungsverfahren und Produktion des Denim / Stoffes

Der Rohstoff des Denim ist bekanntlich die Baumwolle und alleine über den Anbau der Baumwolle bis hin zum gesponnenen Baumwollfaden könnte ich gut und gerne einen eigenen Bericht schreiben. Heute möchte ich mich aber lieber auf das besondere Herstellungsverfahren des Stoffes konzentrieren, den man Denim nennt. Und so beginnt meine Geschichte eben mit großen Spulen aufgewickelter Baumwollfäden in einer Denim -produzierenden Fabrik in Indien.

Diese Spulen werden von den zuliefernden Spinnereien in unterschiedlichen Qualitäten und Fadenstärken, in ungebleichter, weißer Baumwolle geliefert und ich konnte mir deren weitere Verarbeitung bei unserem Lieferanten einmal direkt ansehen. Die Fabrik liegt in Ahmedabad in Westindien, übrigens der Heimatstadt von Gandhi und sie ist bei Weitem nicht die einzige Produktionsstätte für Denim in dieser Gegend. Unsere, ist eine ganz schön große Fabrik, die am Tage 100.000 Meter Stoff produziert, der dann auf großen Rollen, Containerweise in die ganze Welt verschickt wird. Ihr könnt getrost davon ausgehen, dass einige Eurer Jeans asiatischer Abstammung oder gleich "asiatische Kinder" sind, und besonders oft aus Indien und China stammen. Entweder stammt das Rohmaterial von dort oder sie wurde dort auch komplett gefertigt. Nur ein verschwindend kleiner Teil der Denim und Jeans Produktion passiert noch in Länden wie Italien. Die heute wohl eher als “Trendsetter” Einfluss auf den gesamten Markt nehmen. Und selbst unsere beliebten amerikanischen Marken beziehen ihren Stoff oder auch gleich ihre fertigen Hosen in Asien.

Waschungen und Dehnungen des Baumwollfadens

Aber zurück zum Produktionsprozess des Denim. Ich habe leider nicht alles verstanden, aber dieser auf großen Spulen aufgerollte Baumwollfaden durchlebt als erstes mal eine lange Prozedur von Waschungen und Dehnungen, wozu er erst einmal zu breiten Fadenreihen, in einer Breite von ca. einem Meter umgespult wird und dann in einer endlos langen riesigen Maschine von weiß zu grün bis endlich zu Indigo mutiert. Jede Produktionsstätte hütet hierbei natürlich so ihre Geheimnisse wie sie die Baumwollfäden durch diese Prozeduren so strapazierfähig als möglich bekommt. Die Strapazierfähigkeit des Denim ist übrigens das, was die Jeans so berühmt und beliebt gemacht hat und was wir uns im heutigen Produkt natürlich immer noch wünschen. Ich habe wirklich versucht mir einen Gesamteindruck zu verschaffen und habe auch eifrig Fotos gemacht, aber man kann sich von den vielen unterschiedlichen Waschvorgängen und Behandlungen in dieser riesig langen Maschine sehr schlecht einen wirklichen Überblick verschaffen. Und was da so im Einzelnen in das Material hinein oder herausgewaschen und gezogen wird, ist dann ja sowieso ein Geheimnis. Auf jeden Fall wandern zum Schluss diese langen blauen Fadenreihen auf noch größeren Spulen in die Weberei.

Die Weberei

Dort ist es ohrenbetäubend laut, denn es stehen unendlich viele Webstühle in diesem Bereich. Die Arbeiter arbeiten dort ohne Hörschutz. Den mögen sie nicht, sie meinen, es würde damit unangenehm heiß werden. Ich fragte mich nur, was die Leute am Abend noch hören? Zuhause angenehm wenig, wie mir einige Arbeiter grinsend zu verstehen gegeben haben... Noch eins konnte ich lernen: der “Schuss” (Querfaden) beim Denim wird mit weißem unbehandelten Baumwollfaden gesetzt. Das hat sicher auch seine Gründe, aber ich wollte mich dort mit dem Weben im Einzelnen auch nicht weiter auseinander setzten. Auf jeden Fall wird auf den hochmodernen Webstühlen vollautomatisch die unterschiedlichst strukturierten Denims ganz nach den neuesten Modetrends aus Italien und sonst wo gefertigt. Schon wegen dem Krach, hab ich mich dann schleunigst aus dem Staub bzw. aus dem Lärm gemacht.

Nach dem Webvorgang haben wir also unseren Stoff auf 100 bis 200 Meter Rollen gewickelt, in dicker oder dünner Stärke, in unterschiedlicher Struktur und Farbmischung. Die Stärke des Materials wird ganz genau in oz(oz=Masseinheit von Unze) gemessen und nach einer weiteren Qualitätskontrolle kommt es zu unterschiedlichen Endbehandlungen, was zu unterschiedlichen Qualitätsmerkmalen führt. Wollen wir unsere fertige Jeans schön weich mit einem schönen Schimmer oder lieber etwas ursprünglicher - unbehandelt, rau und knittrig?!

 Alles hat ja bekanntlich seine Vor -und Nachteile. Seid froh, dass ihr Euch hierüber nicht den Kopf zermartern müsst. In dieser Fabrik gibt es alleine einige tausend Wahlmöglichkeiten und unzählige Muster und sicher gibt´s dann demnächst einen neuen Trend.

Ich habe mich für`s Erste entschieden. Ihr könnt mir dann ja mal sagen, was Ihr von meiner Wahl haltet: zu dick, zu dünn, zu hart, zu weich, zu blau -ich lass mich da gerne beraten... Da fällt mir auf, ich hab jetzt noch gar nichts von den Farben gesagt: von Indigoblau zu Ozeanblau zu Grün, zu Grau zu Schwarz und weiter zu Bunt??!!

 -Und dann will ich ja noch schaun ob ich irgendwo auch “Bio”-Ware herkriegen kann und glückliche Arbeiter... Aber eins, kann ich Euch schon jetzt sagen: Bei den Quantitäten, von denen hier gesprochen wird, kann´s einem ganz schwindlig werden und wir dürfen uns ganz schön ins Zeug legen, dass wir überhaupt beachtet und überhaupt bedient werden. Für Euch heißt die “Message”: kaufen, kaufen, kaufen! Gut dass sich bis dahin so mancher Unternehmer seines sozialen Gewissens erinnert und sich freut für die armen Rollstuhlfahrer und eine so tolle Idee, wie die RollingElephants etwas Gutes zu tun. So können wir für´s Erste auch nur ein halbes Schiff voll Denim bestellen. ?! Da fühle ich mich aber erleichtert und geehrt....

 

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